Saisonabbruch: Verbandstag beschließt Saisonabbruch / Keine Aufstiegschance für den SuS Stadtlohn / Hintergründe

Gewinner und Verlierer hat die Empfehlung zur Wertung des Saisonabbruchs des Verbandsfußballausschusses des Fußball- und Leichtathletik-Verbandes Westfalen (FLVW), der das Präsidium des Verbands nun zugestimmt hat, unter den Mannschaften im Fußballkreis Ahaus/Coesfeld hervorgebracht. Die Empfehlung zur Wertung bei den Fußballsenioren sieht wie angekündigt einen Abbruch der aktuellen Spielzeit mit Aufsteigern und ohne Absteiger in den Amateurspielklassen von der Kreisliga D bis zur Oberliga Westfalen vor. Zur Berechnung der Aufsteiger hat der VFA ein Modell entwickelt, wonach sowohl der aktuelle Tabellenführer als auch der Hinrunden-Erste aufsteigen werden. Bei einer unterschiedlichen Anzahl absolvierter Spiele greift eine Quotientenregelung.

So kommt es, dass die SpVgg Vreden in der Oberliga gemäß Punktequotienten zwar nur Tabellendritter ist, als Herbstmeister aber trotzdem aufsteigen dürfte. Dagegen wäre der SuS Stadtlohn in der Bezirksliga 11 aktuell nach jeder Wertungsart Tabellenzweiter mit einem der besten Punktequotienten in Westfalen überhaupt, er darf aber nicht aufsteigen, da der TuS Haltern II nun und zum Hinrundenabschluss die Nase vorne hatte. Groß ist die Freude entsprechend bei der SpVgg, man wolle aber noch bis zur endgültigen Entscheidung abwarten, erklärt der Vorsitzende Christoph Kondring: „Als aktueller Tabellenführer und Herbstmeister ist der Aufstieg auch verdient. Es freut mich für die Jungs.“

Eine Lösung „ohne sportlichen Inhalt“ und „gegen viele sportliche Werte und Grundlagen der Spielordnung verstoßend" sieht Stadtlohns Geschäftsführer Michael Schley: „Zu viele Teams, die konstant gute Leistungen gezeigt haben, gehen komplett leer aus. Darunter natürlich viele Mannschaften auf potenziellen Relegationsplätzen. Denen werden zustehende Rechte einfach entzogen. Und viele, die am Thema vorbei gearbeitet haben, werden belohnt.“ So steigen Mannschaften als Tabellenfünfte mit sieben Punkten Rückstand auf, weil sie „vielleicht zufällig nach 15 Spielen mal oben standen“, andere bleiben ohne einen einzigen Saisonsieg in der Klasse. „Wobei es absolut in Ordnung ist, dass es keine Absteiger geben soll. Dann muss aber eine Gleichbehandlung für die Leistungsträger her. Wenn ich die gültige Auf- und Abstiegsregelung aufhebe, dann müssen an beiden Enden der Tabelle gleichgewichtige Äquivalente her, so wie es viele andere Sportverbände eingerichtet haben. Warum muss der Fußball wieder ein besonders findiges Konstrukt entwickeln und aus der Reihe tanzen? Es geht wohlgemerkt hier dabei nicht um Eigeninteresse oder darum, Profit aus einer für alle angespannten Ausnahmesituation zu schlagen. Es geht um Gerechtigkeit und Wertschätzung von erbrachten Leistungen." So brächte der Verband natürlich die ziemlich gespaltene Gruppe der Ständigen Konferenz hinter sich.

Weiter: „Der SuS hat die komplette Saison auf Platz eins oder zwei gestanden, einen der besten Punktequotienten in Westfalen überhaupt, schlägt im Pokal Landes- und Westfalenligisten. Vor allem hätte er aus eigener Kraft aufsteigen können. Alles ohne Wert und ohne Wertschätzung. Das Rechtsgutachten soll ja aussagen, dass Mannschaften durch einen Abbruch keinen Nachteil erleiden sollten. Ich kann mir kaum vorstellen, dass ein Jurist sich dazu verleiten lässt, eine solche Aussage nur die untere Tabellenhälfte betreffend fixiert. Somit ist die Lösung in den einfachsten juristischen Grundsätzen untragbar. Stichworte Gleichheits- und Gleichbehandlungs- sowie Verhältnismäßigkeitsgrundsatz. Wir müssen es aber akzeptieren.“ Dass der Verband im Amateurbereich im Wesentlichen den zu befürchtenden wirtschaftlichen Schaden bei Abstieg als Argumentation heranführt, zeigt vor allem, dass es das alleinige Ziel war, ob dieses Grundes Klagen abzuwenden. Wohlgemerkt: Wir sprechen vom echten Amateurbereich und es wird stets betont, dass man sich vom Profitum abgrenzen wolle. Für wen sei denn der Schaden letztlich größer, dann gerne auch wirtschaftlich – für einen Aufstiegskandidaten und vor allem dessen Nachwuchs, dem nach hervorragender Saison und viel Arbeit ein wichtiger Schritt genommen wird, oder dem abgeschlagenen Tabellenletzten, der nun noch einmal eine Saison überfordert sein wird? „Beide könnten mindestens ein Jahr verlieren.“ „Wenn ich in der Videokonferenz vom Verbands-Vize auf die Frage nach der juristischen Basis, vor allem in Sachen Gleichbehandlung und Verhältnismäßigkeit, zu hören bekomme, ‚dann hättet ihr halt mal drei Punkte mehr holen müssen‘, gleichsam dieser öffentlich äußert, dass die Abstiegskandidaten ‚jetzt einfach mal Glück gehabt haben‘, dann klingt auch durch, wie Verantwortliche mitunter an für Vereine weitreichende Entscheidungen herangehen. Und wenn der Kreisvorsitzende dann noch von einem ‚Sahnestück‘ mit ‚Verlierern im System‘ spricht, gleichsam abfeiert, dass in der A2-Liga nun auch der Zweite aufsteigen darf, weil es sonst für einen auch 'bitter' gewesen wäre, dann rundet das die Geschichte ab.“

Wenn ich 52 von 66 Punkten hole, dann zähle ich sicher nicht zu den Verlierern, sondern zu den Benachteiligten einer neu aufgestellten Auf- und Abstiegsregelung. Ein wenig mehr Demut vor den Vereinen, die ich vertreten soll, wäre gerade in diesen Tagen angebracht. So wie es andere Sportverbände eben vormachten – nach den Hand- und Volleyball- sowie Tischtennisverbänden in Westfalen jüngst die Basketballer noch. In der FLVW-Satzung ist schließlich auch verankert, dass der Verbandszweck erreicht wird „durch die Vermittlung von demokratischen, ethischen und sozialen Werten unter besonderer Berücksichtigung des Fair Play“. „Das widerspricht in weiten Teilen einer Lösung, die allein dem Zweck dient, das Klagerisiko aus rechtlicher und wirtschaftlicher Sicht zu minimieren."

In der Spielordnung sei verankert, dass Punktespiele zur Ermittlung der leistungsstärksten und leistungsschwächsten Mannschaften ausgetragen werden. „Wenn ich Herbstmeister aufsteigen lasse, die jetzt mit erheblichem Rückstand nur Tabellenfünfter sind, dann werde ich diesem Grundsetz nicht gerecht. Der Strich muss am letzten Spieltag - hier vor Abbruch - gezogen werden. Jede Stichprobe wird valider, je größer sie ist. Ich kann nur die in der Summe stärksten Mannschaften ermitteln und nicht die gerade zu einem bestimmten Zeitpunkt in der Saison vielleicht erfolgreichsten. Da spielen viele Faktoren eine Rolle, warum dem so sein kann. Natürlich kann ich immer sagen, ich hatte im ersten Drittel des neuen Jahres nun aber schwerere Gegner. Genauso könnte ich argumentieren, dass ich in der Hinrunde ein oder zwei Auswärtsspiele mehr hatte oder die schwereren Auswärtspartien. Alles nicht messbar, ich kann statistisch nur gewisse Wahrscheinlichkeiten erhöhen. Und die sind Stand jetzt höher."

Wie man es hinbekommt, dass tatsächlich die leistungsstärksten Mannschaften aufsteigen (können), das zeigen unter anderem der Sächsische Fußballverband, der vorab Anwartschaften unter den Aufstiegskandidaten und Klassenverzichte unter den Abstiegskandidaten abfragt, um daraus ein flexibles Modell zu entwickeln, oder auch der Schleswig-Holsteinische Fußballverband, der alle Mannschaften auf potenziellen Relegationsplätzen pauschal mit aufsteigen lässt - jeweils natürlich bei Aussetzung von Abstiegen. „Wenn man schon die Hinrunde einbeziehen will, dann muss man halt nur diese werten mit der Aussage, ich suche die leistungsstärksten Mannschaften zum Zeitpunkt des letzten Hinserienspieltags. Überspitzt formuliert könnte man auch die aktuell leistungsstärkste Mannschaft, die Nummer eins der Rückrunde, die der SuS Stadtlohn wäre, einbeziehen. „Ist natürlich Unsinn, zeigt aber auch, dass unsere Spielordnung wenig Nahrung für eine Mischlösung hergibt.“

Der SuS Stadtlohn habe schließlich auch fast die halbe Serie auf Tabellenplatz eins gestanden, andere Teams - wie zum Beispiel die SpVgg Vreden - erst am vorletzten Hinrundenspieltag und deutlich seltener als Stadtlohn. Ebenso überspitzt formuliert: „Der Abiturient, dem am Ende das Wissen ausgeht, kann sich wohl auch kaum darauf berufen, dass er doch ein ganz gutes Zwischenzeugnis hat." So können am Ende nur die zwei, drei Mannschaften, die bei Abbruch oben stehen, als insgesamt als die leistungsstärksten gewertet werden. „Da hätte man sich sowohl Punktequotienten als auch die gesamten Saisonplatzierungen ansehen müssen, um zu validen Ergebnissen zu kommen. Wir haben natürlich auch für die Fortsetzung gestimmt, da es der einzig faire Weg gewesen wäre. Wir haben aber gleichsam mit einer fairen Lösung gerechnet, die unter der von Beginn an vorgegebenen Prämisse, dass es keine Absteiger geben soll – etwas anders wurde kategorisch ausgeschlossen, was auch in Ordnung ist -, auch den leistungsstärksten Mannschaften gerecht wird.“

Ebenso unerklärbar: Die Argumentation, man müsse weiter die Kreise stärken, konterkariern ich zudem, wenn ich immer mehr Bonbons an die Kreisligen verteile. Die Verhinderung der qualitativen Schwächung der überkreislichen Ligen war schließlich das Hauptaugenmerk seitens des Verbandes gegen die Zulassung von Mannschaften auf den Relegationsplätzen von der Bezirks- bis zur Westfalenliga zum Aufstieg. Ich zitiere noch mal unseren Vize: „Wir dürfen unsere Pyramide nicht zerschießen, die überkreislichen Klassen nicht verwässern.“ Nun sorgen die wahllosen Geschenke vor allem an die Tabellenzweiten in den Kreisligen dafür, dass in der kommenden Saison eine Bezirksliga 11 als verkappte Kreisliga A Ahaus/Coesfeld an den Start gehen wird. So kann es vorkommen, dass es statt einem Aufsteiger zur Bezirksliga nun auf einmal vier geben wird. „Bei den A-Liga-Zweiten werden aus Relegationschancen einfach Relegationsrechte gemacht. Auch hier werden viele Tabellenzweite in den überkreislichen Ligen weitere Ansätze finden, warum die gewählte Aufstiegsregelung vielfältig ungerecht ist. Hier genügen erneut Verweise auf juristische Grundsätze wie Verhältnismäßigkeit und Einseitigkeit.“

Das alles erlebt der SuS Stadtlohn nach der Enttäuschung im Vorjahr, als dem SuS durch den verspäteten Rückzug des SC Münster 08 der Landesligaerhalt verwehrt blieb. „Damals war das sportlich vertretbar, nun aber hätten alle, die eine grandiose Saison hingelegt haben, einen Aufstieg und mehr Respekt vor ehrlicher sportlicher Leistung verdient gehabt.“ Wie gesagt: Andere Sportarten haben es ja vorgemacht, wie man möglichst vielen Mannschaften gerecht wird – „da wird man sich auch rechtlich abgesichert haben“. Hätte man zum Beispiel in einer jeden Staffel analog die ersten drei Mannschaften gefragt - also in im Schnitt gleich viele, wie man Abstiegskandidaten den Klassenerhalt zusichert (Gleichbehandlung!) -, wären mit Ausnahme der Oberliga am Ende der Rechnung unter Berücksichtigung von Verzichten - auch aus Demut vor zu großen Rückständen - überall nahezu die Sollstärken von 16 oder 18 Mannschaften herausgekommen. Und man hätte auch dann nahezu sämtliche Herbstmeister mit einbezogen, andere haben es auch kaum mehr verdient. „Man hatte zugesichert, sich die Lage in jeder Staffel genau anzuschauen. Wer sich die Lösung anschaut, der erkennt sofort, wo die Schwerpunkte lagen.“ Man hätte sich einfach ein paar Jahre Zeit geben müssen, um den – übrigens durch den festgelegten Nichtabtstieg mitverschuldeten - Überhang in den überregionalen Klassen wieder abzubauen.

Zum unausgegorenen Konzept passe es, dass in den nun fünf Landesligen – noch ohne mögliche Verzichte – schon jetzt noch nicht einmal die Sollstärken erreicht werden. Laut gängiger Aufstiegsregelung müssten den Tabellenzweiten der Bezirksligen das Recht eingeräumt werden, die Klasse aufzufüllen, Entscheidungsspiele wird es aber nicht mehr geben. Begonnen hatte es schon mit der Staffeleinteilung mit einer 18er-Bezirksliga 11 und dazu 15er-Staffeln. „Das war schon Irrsinn, mindestens zwei Mannschaften aus unserer Klasse hätten in der benachbarten 15er-Liga nicht längere Fahrzeiten gehabt. Im Grunde genommen wertet das unsere Leistung noch einmal auf, da die Konkurrenz und der Aufwand größer waren. Wurde die größere Staffelstärke irgendwie beim Umfang der Aufstiegsplätze berücksichtigt? In den A-Ligen werden nun stattdessen Aufstiegsränge an Relegationskandidaten verschenkt. Handwerklich einfach schwach und ungerecht“, so Schley. Gespannt sei er jetzt schon, wie §52 der Spielordnung - Ausscheiden von Mannschaften - bewertet und umgesetzt wird. „Im Grunde sind nun alle freiwilligen Rückzüge, die bisher verpasst oder aufgeschoben wurden, nach der Saison fällig." Von einer Anpassung war bisher noch nichts zu lesen.

Mit einem geschickten Winkelzug, fünf weitere Landesligisten in die Westfalenliga aufsteigen zu lassen, löste man das Problem der mangelnden Sollstärke in den Landesligen. Das hinkt rechtlich: Zum einen wird die Aufstiegsregelung ausgehebelt, zum anderen wird sie - wie hier bei den Sollstärken und Relegationsoptionen der Zweiten - wieder in Kraft gesetzt. Quasi so, wie man es braucht. Höchst bedenklich, denn die beurteilten Sollstärken wurden durch die von der Aufstiegsregelung abweichenden Empfehlung des VFA "verschuldet" und nicht durch den Saisonverlauf, dem eigentlichen Anlass. 

Die Frage des §52 SpO stellt sich weiter. Denn vor allem ist es verwunderlich, dass beide Westfalenligisten - SC Roland wie Spexard - ihre Rückzüge exakt eine Woche vor der Verbandentscheidung offiziell gemacht haben, obwohl von einem Verein die verbindliche Aussage vorliegt, man werde erst nach dem Verbandstag zurückziehen. Ein Schelm, wer Böses denkt...

Freuen dürfen sich auch die Mannschaften, die zum Zeitpunkt des Abbruchs auf einem Abstiegsplatz gelegen haben – so wie der TuS Wüllen und der VfB Alstätte in der Bezirksliga 11. Einen großen Erfolg feiert man beim SV Heek, der zurück in der Bezirksliga 11 zu sein schein – ebenso beim Nachbarn RW Nienborg, der von der B- in die A-Liga aufsteigt.

„Der VFA hat nach Auffassung des Präsidiums die bestmögliche und fairste Lösung für den Großteil der Vereine gefasst. Die Empfehlung schöpft all unsere Möglichkeiten aus, um den Gegebenheiten in all unseren Staffeln gerecht zu werden. Es war keine leichte Aufgabe, schließlich reden wir hier von 6.641 Männer- und Frauen-Mannschaften in 233 Staffeln“, spricht FLVW-Präsident Gundolf Walaschewski von einer salomonischen Regelung. Er dankte dem Gremium dabei besonders für den enormen Arbeitsaufwand, den der VFA unter Vorsitz von Reinhold Spohn (Herne) geleistet hat.

Manfred Schnieders, Vizepräsident Amateurfußball, hat den Prozess aktiv und Hand in Hand mit dem Verbands-Fußball-Ausschuss über die vergangenen Wochen mitgestaltet. „Der Saisonabbruch ist der ausdrückliche Wunsch der Vereine – genau wie eine Wertung, um die bisher sportlich erbrachte Leistung zu würdigen. Wir haben es uns alles andere als leicht gemacht und uns die Ligen sehr genau angeschaut. Jetzt hoffen wir auf das Verständnis der Vereine – vor allem bei denjenigen, die in der nächsten Spielzeit einen neuen Anlauf in Sachen Aufstieg nehmen müssen“, so Schnieders.

Nun empfiehlt der Verbands-Fußball-Ausschuss, dass die spielleitenden Stellen der 29 FLVW-Kreise analog verfahren. Der FLVW hatte eine für das gesamte Verbandsgebiet einheitliche Lösung als Ziel ausgegeben, was die Kreisvorsitzenden nach den zahlreichen Videokonferenzen voll und ganz unterstützen. Am 11. Mai berieten die Kreisvorsitzenden gemeinsam mit dem Präsidium in der Ständigen Konferenz über die VFA-Empfehlung und stimmten zu. Anschließend wird ein außerordentlicher Verbandstag im Juni über den endgültigen Saisonabbruch mit der vorgeschlagenen Wertung abstimmen. Dass das Programm durchgewunken wird, ist wohl nur noch Formsache.

Anhang:

Der Redakteur hatte die Absurdität der Empfehlung schon früh erkannt:

Coronavirus: Empörung nach Abbruch-Empfehlung ist verständlich
Die Empfehlung des FLVW zum Saisonabbruch zog sich hin. Als sie da war, gab es Enttäuschung bei einigen Vereinen – mit Recht, findet unser Autor.

Der Westfälische Fußballverband veröffentlichte am Donnerstag eine Mitteilung, die aufhorchen lässt: „Die zuständigen Rechts-Experten haben ganz klar formuliert, dass ein Saisonabbruch – auch bei höherer Gewalt wie der Corona-Pandemie – nicht zum Nachteil der Vereine gewertet werden soll“, heißt es da.

Nicht zum Nachteil der Vereine? Die schwammige Formulierung könnte ja bedeuten, dass der Verband doch eine großzügige Aufstiegsregelung in Betracht zieht. Denn man könnte sehr wohl interpretieren, dass Mannschaften Nachteile bei einem Saisonabbruch haben: Tabellenzweite, weitere Aufstiegsaspiranten sowie Teams, die bei einer Abbruchform (zum Beispiel der Hinrundenwertung) profitiert hätten, bei einer anderen Regelung aber nicht mehr. Da ist weiter vieles unklar.

Nein, nein, wiegelt der Verband ab. Gemeint sei damit nur der Abstiegskampf. Da lässt der oben zitierte Satz aber einen anderen Schluss zu. Ein Satz wie „Die Rechts-Experten haben formuliert, dass nur Abstiegskandidaten keinen Nachteil haben sollten“ fehlt in der FLVW-Mitteilung. Und es ist auch davon auszugehen, dass er so niemals von Rechts-Experten empfohlen worden wäre. Und wenn doch? Warum fehlt der entscheidende Satz „Ein Saisonabbruch ist rechtens“ dann?

Erste Vereine haben spontanen Widerstand geprobt und notfalls mit Klagen gedroht – das wollte der Verband eigentlich unbedingt vermeiden. Die Lage scheint festgefahren.

Doch ganz unverständlich ist die Empörung nicht. Warum Geschenke unten verteilen und oben nicht? Schließlich gibt es Extrembeispiele, von Mannschaften, die unterirdische Saisons gespielt haben. Die Hammer SpVg II zum Beispiel, die in der Bezirksliga 7 mit drei Punkten Schlusslicht ist. Diesen Teams, die aussichtslos am Liganiveau vorbeigekickt haben, bietet man die Rettung an?

Quelle: Ruhr Nachrichten (Sebastian Reith)