Harmonischer Oberliga-Staffeltag endet mit kontroverser Diskussion

Harmonisch verlief der Staffeltag der Oberliga Westfalen. Während es hinsichtlich der Regularien kaum nennenswerte Änderungen zu vermelden gab, so gab es bei einem Thema durchaus kontroverse Diskussionen. Die mediale Außenwirkung der Vorzeigeliga des Fußball- und Leichtathletik-Verbandes Westfalen (FLVW) soll gesteigert werden- verbunden mit einer nicht unerheblichen Erhöhung der Spielabgaben.

Die Oberliga folgt dem Trend der Profiligen: Es geht auf den Plätzen deutlich fairer zu. In sämtlichen Kategorien der persönlichen Strafen war in der abgelaufenen Saison ein Rückgang zu verzeichnen. Auch Georg Schierholz, Vorsitzender der Verbandsspruchkammer, wusste von allein 13 Verfahren zu berichten, davon sieben allein wegen Zuschauerverhaltens. Es gab nur drei Verfahren gegen Spieler, keines gegen Trainer. Er ermunterte erneut dazu, den Videobeweis zu nutzen. Auch für Michael Liedtke, Vorsitzender des Kreisschiedsrichterausschusses, stelle sich die Oberliga als „äußerst pflegeleichte Liga“ dar. Sechs neue Schiedsrichter hätten den Sprung geschafft, die gesunde Mischung bliebe erhalten. „Sprechen sie weiter miteinander“, könne vor allem über das gesprochene Wort gegenseitig Respekt und Wertschätzung gezeigt werden. In einem kleinen Exkurs wurden die aktuellen Regeländerungen erklärt. Weitere Informationen lieferten die Lehrwarte in den Kreisen – seitens des FLVW-Kreises Ahaus/Coesfeld bereits geschehen. Apropos Fairness: Den Fair Play-Pokal erhielt in der Spielzeit 2015/16 der FC Eintracht Rheine. Dessen Vertreter konnten mit dem TuS Erndtebrück als Absteiger und dem SC Hassel, dem FC Brünninghausen und dem 1. FC Kaan-Marienborn, auf dem Staffeltag fehlend, vier neue Mitglieder begrüßen.

Spannend wurde es dann noch beim Punkt mediale Außendarstellung. So macht auch der schleichende Zuschauerschwund im Amateurfußball auch vor der Oberliga nicht Halt. „Wir müssen etwas machen. Sonst kommt bald gar keine Zuschauer mehr ins Stadion“, brachte es Staffelleiter Reinhold Spohn auf den Punkt. Manfred Schnieders, Vizepräsident Fußball im FLVW, wies auf die Neuerung hin, dass in der kommenden Saison sämtliche 306 Oberligaspiele gefilmt würden. Den Vereinen würden dann öffentlich zugänglich Highlight-Shows und Spielberichte auf dem überarbeiteten Oberliga-Portal sowie ein Komplettmitschnitt in einem geschlossenen Bereich als sogenanntes Scouting-Feed vor allem für Trainer zur Verfügung gestellt – sämtlich ohne Kommentierung. Bei großer Beteiligung durch den Verband müssten die Vereine um Umkehrschluss einen Beitrag zur Finanzierung leisten. Die Spielabgabe soll von aktuell 150 Euro auf dann satte 250 oder 300 Euro ansteigen. Das rief zahlreiche Vereine, die sich ein wenig vor vollendete Tatsachen gestellt fühlten, auf den Plan, erst einmal dagegen zu stimmen. Wohl mit wenig Hoffnung auf Erfolg. Der SuS Stadtlohn beispielsweise als einer der aktivsten Oberligisten auf diesem Gebiet lässt bereits jetzt sämtliche Heimspiele von einem Medienpartner mitschneiden und lädt diese auch auf dem Oberliga-Portal hoch.

„Wir sind mit der Kooperation sehr zufrieden. Deshalb haben wir den Vertrag mit BerkelTV sehr gerne verlängert. Warum sollten wir in das Angebot des Verbandes nun auch noch investieren. Letztlich werden wir wohl dazu gezwungen sein“, so Stadtlohns Geschäftsführer Michael Schley. Natürlich sei es für Trainer interessant, Komplettmitschnitte anderer Spiel zu erhalten. „Doch ganz im Ernst: Ein Trainer beobachtet doch immer lieber vor Ort – ob ein Spiel oder einen Spieler. Das Erlebte kann kaum eine einzige Kameraperspektive wiedergeben“, so Schley weiter. Jeder Verein sei doch selbst dafür verantwortlich, wie und ob er sich attraktiv präsentieren möchte. Einige Vereine seien sehr aktiv, andere würden dieses Angebot sicher begrüßen. Allen dieses aufzuzwingen, sei gewiss der falsche Weg. „Ein unkommentierter Mitschnitt eines Spiels wird doch kaum einen Zuschauer vor den PC holen. Wir müssten die Berichte somit eh aufbereiten. Jetzt schon bekommen wir alles aus einer Hand – einschließlich Pressekonferenz mit entsprechendem Mehrwert für interessierte Sponsoren.“ Die Diskussionen werden weitergehen. „Zusätzlich 1700 Euro im Jahr sind auch für einen Oberligisten in der heutigen Zeit viel Geld. Sehr viel Geld“, so Schley.

Zur Info: Nach 271 Mitschnitten zu Beginn der Phase 2012/13 wurden auf dem Portal im abgelaufenen Jahr nur noch 160 Spielberichte hochgeladen.