19. Spieltag: Später Ausgleich legt Starre über den Losberg

Am Ende war es wie so oft: Der SuS Stadtlohn wähnte sich schon in Besitz wichtiger dreier Punkte, um dann doch noch denkbar unnötig den späten Ausgleich zu kassieren. Das 1:1 gegen den SuS Neuenkirchen hilft so richtig nicht weiter. So legte sich entsprechend eine gewisse Schockstarre über den eisigen Losberg.

Was war passiert? In der dritten Minute der Nachspielzeit schien der Gastgeber den letzten Angriff des Gastes abgewehrt zu haben. Bei einem Zweikampf an der Mittellinie entschied Schiedsrichter Armin Sieber auf Freistoß für Neuenkirchen. Zur Überraschung der Stadtlohner. In diese hinein nutzte Lars Pöhlker die Verwirrung, und drosch den „zweiten Ball“ ins lange Eck. Kurz darauf folgte der Abpfiff. Nicht nur in dieser Szene rief der Unparteiische ob seiner undurchsichtigen Linie bei der Zweikampfbeurteilung und Kartenverteilung Kopfschütteln bei Beteiligten und Zuschauern hervor.

Trotz dieses erneuten Rückschlages: Der SuS präsentierte sich über weite Strecken als kompakte Einheit und fokussiert. Nach einer ersten Abtastphase mit zaghaften Stadtlohner Torannäherungen sorgte erst der Gast dafür, dass die Partie bei böigem Wind Fahrt aufnahm. Merlin Schüttes Freistoß wäre fast durchgerutscht (17.). Dann forderte der Gast vehement einen Strafstoß, als Tim Schücker mit Maik Osterhaus aneinandergeriet (22.). Und mit Schüttes Bogenlampe an die Latte fühlten sich die Hausherren endgültig auf den Plan gerufen, aggressiver anzulaufen (23.). Das wäre fast belohnt worden: Zunächst spielte Georgios Efthimiou Cihan Bolat frei, der an Torhüter Lukas Fiedler scheiterte (35.). Dann hatte Kapitän Michael Roßmöller auf Bolat-Eingabe aus Nahdistanz die größte Chance zur Führung auf dem Fuß – wieder war Fiedler zur Stelle (41.).

Das Erfolgserlebnis folgte dann direkt nach dem Seitenwechsel: Mario Worms war durch und wurde kurz vor der Torauslinie umgerissen. Sieber ließ zunächst weiterspielen, um dann auf Hinweis des Assistenten auf Strafstoß zu entscheiden. Er bestrafte damit das unglückliche Verhalten des Verteidigers, der Ball war bereits im Toraus. Tayfun Cakiroglu übernahm Verantwortung und erzielte die Führung vom Punkt (49.).

Nun übernahm Neuenkirchen mit dem Wind im Rücken das Kommando. Es brannte einige Male im Stadtlohner Strafraum. Auf der Gegenseite versäumte es der SuS, die sich bietenden Räume für Konter sauber zu nutzen. Einzig Luca Ehler und Michael Roßmöller zeigten mit Distanzschüssen Zug zum Tor (70., 84.).

So blieb es ein Spiel auf des Messers Schneide, mit dem glücklichen Ende für die Gäste. Und die Schockstarre nahm gefühlt weiter zu, als die Ergebnisse der Konkurrenz im Keller bekannt wurden...

Trainerstimmen:

In der Analyse der Trainer spielte die Schiedsrichterleistung eine nicht unerhebliche Rolle.

Martin Stroetzel (SuS Stadtlohn): „Das ist einfach nur bitter. Ich denke, den Spielanteilen nach kann man in ein Unentschieden einwilligen. Aber: Die klareren Chancen lagen eindeutig auf unserer Seite. Wir müssen im Verlaufe der zweiten Hälfte einfach unsere Konter besser ausspielen. So kann eine Mannschaft wie Neuenkirchen immer gefährlich werden. Speziell auch über Freistöße, von denen wir gegen Ende einfach auch zu viele verursacht haben. Und genau so fällt dann auch der Ausgleich – auch wenn der Freistoß davor keiner war. Aber das passte auch zum Auftritt des Schiedsrichters. Ich will da jetzt gar nicht ins Detail gehen, wir sind selbst schuld. Ich erwarte aber, dass sich Schiedsrichter auf diese wichtigen Spiele angemessen vorbereiten. In unserer Situation helfen nur Dreier weiter. Die Konkurrenz hat es gezeigt.“

Tobias Wehmschulte (SuS Neuenkirchen): „Vor der Pause war der SuS Stadtlohn sicher aktiver. Nach dem Rückstand haben wir dann Regie geführt und gute Chancen herausgespielt. Ob es ein Elfmeter war, weiß ich nicht. Dann muss der Schiri uns auch einen geben. Stadtlohn ist auch für das unsägliche Zeitschinden bestraft worden. So kenne ich den SuS nicht. Allein deshalb nehmen wir den Punkt verdient mit.“

 

Quelle: Münsterland Zeitung

Ausblick:

Neben dem FC Eintracht Rheine hat sich der SuS Neuenkirchen gerade seit den 2000-er-Jahren zur zweiten „Macht“ im Kreis Steinfurt entwickelt. Es ist aber nicht allein die Entwicklung, die beeindruckt. Das ganze Konzept ist von einer nötigen Nachhaltigkeit – auch dank eines engagierten Fördervereins -geprägt. 1997 Bezirksliga, 1999 Landesliga, 2005 Verbandsliga, 2012 Oberliga: Uneingeschränkt verbunden mit diesen Aufstiegen ist – neben Hans-Dieter Jürgens - der Trainerfuchs Franz-Josef Reckels, in dessen Fußstapfen nun erfolgreich ein früherer „Zögling“ getreten ist: Tobias Wehmschulte, der jüngst seinen Vertrag verlängert hat. Dabei profitierte der Verein beim größten Erfolg der Vereinsgeschichte auch von der Ligastrukturreform zur Saison 2012/13.  Seitdem beeindruckt das Team mit einer bemerkenswerten Konstanz. Man hat mittlerweile einen festen Platz in der zweiten Reihe der Oberliga eingenommen – auch dank geringer Fluktuation.

So waren die Bewegungen im Kader auch vor der laufenden Saison sehr überschaubar. Erfolgreich wurden die Abgänge wie Felix Fuchs mit Spielern aus der Region kompensiert. Somit sind die aktuell 25 Punkte bei nur vier Niederlagen in 17 Spielen auf Rang sieben nicht nur wenig überraschend und grundsolide, sie lassen zudem eine ruhige Arbeit in der zweiten Serie zu. Die Kaderplanung kann somit wie fast immer frühzeitig in Angriff genommen werden – der SuS wird weder mit Auf- noch Abstieg etwas zu tun bekommen. Das passt ins Bild der vergangenen Jahre. Konstanz spiegelt allerdings weniger die Tordifferenz wider. Starken 30 geschossenen Toren stehen 26 Gegentreffer gegenüber. Es ist also oft was los, wenn Neuenkirchen aufläuft. Wie gut die Offensive ist – wenn man sie lässt -, das zeigte der SuS unlängst im Kreispokal-Viertelfinale: Satt mit 6:0 wurde der Rivale Eintracht Rheine aus dem Wettbewerb gekegelt. Der SuS nahm damit Revanche für die klare Niederlage in der Hinrunde. Drei Tore erzielte allein Mirco Husmann – sonst überzeugt vor allem Malte Nieweler als Torschütze. In der Transferperiode zwei hielt man am Haarweg die Füße still, es gab auch keinen Grund zu Aktionismus. Im Hinspiel verdiente sich Stadtlohn ein 1:1-Remis, die beiden Spiele der Vorsaison gingen an den Gast aus dem Kreis Steinfurt.

Der SuS Neuenkirchen in der Saison 2016/17
Spielort:
Waldstadion am Haarweg, Haarweg 40, 48485 Neuenkirchen
Platzierung in der Vorsaison: Platz 8
Saisonziel: Mittelfeldplatz
Abgänge: Felix Fuchs (Hammer SpVg), Michael Egbers (SV Mesum), Maximilian Mümken (pausiert), Erhan Toylular (Ziel unbekannt) – im Winter: Nawid Nesar (Ziel unbekannt).
Zugänge: Moritz Uphoff (SV Mesum), Marvin Holtmann (Preußen Münster II), Mirko Janning (FC Eintracht Rheine U19), Joshua Roß, Marvin Egbers (beide eigene Jugend).

www.sus-neuenkirchen-fussball.de

(o.v.l.) Marvin Holtmann, Mirko Janning, Malte Nieweler, Julian Knocke, Nico Haverkamp, Moritz Uphoff - (M.v.l.) Teammanager Kevin Dumpe, Torwarttrainer Patrick Kapke, Marvin Egbers, Joshua Ross, Bernd Schlüter, Maik Osterhaus, Co-Trainer Hasan Ürkmez, Trainer Tobias Wehmschulte, Physiotherapeutin Sarah Hegemann - (u.v.l.) René Pöhlker, Viktor Braininger, Fabian Sandmann, Dennis Fischer, Mirco Husmann, Nawid Nesar, Lars Brechler - es fehlen: Daniel Seidel, Lars Pöhlker, Thomas Wessels, Oliver Janning und Lukas Fiedler.