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Wilfried Steinhage übernimmt von Hubert Tenbrinck

90 Minuten plus Nachspielzeit hatte Hubert Tenbrinck der Jahreshauptversammlung 2015 des SuS Stadtlohn in Aussicht gestellt. Es wurden am Ende zwei ganze Fußballspiele. Der Verein wählte schließlich eine neue Vereinsführung – Tenbrinck übergab den Staffelstab an Wilfried Steinhage.

Nicht nur die außergewöhnliche Länge, auch das vollbesetzte Vereinsheim „Kies es drin“ deuteten an, dass diese Jahreshauptversammlung eine besondere sein wird. Es wurde produktiv, auch emotional und vor allem rege diskutiert. Über die außergewöhnliche Resonanz mit knapp 100 Mitgliedern freute sich Tenbrinck in seiner letzten Begrüßungsrede. Die Entscheidung, sich nach zehn Jahren nicht zur Wiederwahl zu stellen, sei nach „reiflicher Überlegung“ gefallen: „Ich möchte mit Eintritt ins Rentenalter meinen Terminkalender wieder selbst bestimmen können.“ Er habe in dieser Dekade „viel auf die Beine stellen können“ und eine „tolle Gemeinschaft“ im Verein insgesamt und im Vorstand im Speziellen erlebt. Als letzte Amtshandlung konnte er die Ehrung der Jubilare vornehmen. Guten Gewissens könne er einen stark aufgestellten Verein an seinen bisherigen Stellvertreter Steinhage übergeben.

Moderate Beitragsanpassung

Der 50-Jährige freue sich auf die kommende Zeit mit einer „engagierten neuen Vorstandsmannschaft“. „Alle Mitglieder sollten nicht nur fordern, sondern sich so aktiv wie möglich in die Gemeinschaft einbringen. Das Ehrenamt mit Verantwortung in der Summe wird weiter maßgeblich sein“, sieht der Rechtsanwalt und dreifache Familienvater auch große gesellschaftliche Herausforderungen, denen sich in den kommenden Jahren Vereine stellen müssten. Er kündigte notwendige und zeitgemäße Umstrukturierungen im Verein an und bezog sich dabei auch auf den Kassenbericht von Helmut Stowermann, der von einem „schwierigen Jahr 2014“ zu berichten wusste. Für Stowermann war es der mittlerweile 28. Kassenbericht – und wie bei Tenbrinck der letzte als Kassierer. Zum Nachfolger wählte die Versammlung Klaus Niehoff, zu dessen Stellvertreter Marc Klein-Günnewick (bisher Jürgen Steinbach). „Steigende Kosten in allen Bereichen machen auch vor Sportvereinen keinen Halt“, so Stowermann. Eine Beitragsanpassung sei nach fünf Jahren unumgänglich. Dieser Punkt wurde kontrovers diskutiert, auch „Härtefallsituationen“ wurden anerkannt. Letztlich wurde mehrheitlich ein notwendiger Konsens gefunden: Die Monatsbeiträge werden ab dem 1. Januar 2016 um 2,50 Euro (Ausnahme: Passive) pro Mitglied angehoben, Familienbeiträge um fünf Euro. „Es wartet viel und spannende Arbeit auf den neuen Vorstand. Geht dies entschlossen an“, schloss sich Stowermann auch dem Dank des scheidenden Vorsitzenden an.

Neuwahlen und Bestätigungen

Keine Beanstandungen hatten die Kassenprüfer Ewald Harmeling, Karl-Heinz Böing und Dennis Alferink – turnusgemäß zum Nachfolger des Letztgenannten wählten die Mitglieder Peter Heming. Nach der Entlastung des Vorstandes konnte Versammlungsleiter Mathias Redders die Wahlen eröffnen. Die Vorschläge wurden von den Mitglieder in Gänze gutgeheißen: Die Position des stellvertretenden Vorsitzenden übernimmt zunächst für ein Jahr kommissarisch Karin Raber – und damit erstmals eine Frau. Im Amt bestätigt wurde der stellvertretende Geschäftsführer Ludger Bockhorn. En bloc wurden die vier Beisitzer Guido Cirtaut (neu), Dieter Heming, Manuel Terhürne und Mechthild Wüpping gewählt – ausgeschieden ist Heinz Jägers. Ebenso bestätigt wurde die neue Jugendleitung des SuS: Karin Raber und Josef Tendahl (für Albert Böing).

Anträge wurden angeregt diskutiert

Den gesunden Spagat zwischen Breiten- und Leistungssport haben sich die Mitglieder des SuS Stadtlohn auch für die Zukunft auf die Fahnen geschrieben. Außerordentliche Erfolge im Sportjahr 2014/15 waren den Berichten der Abteilungen zu entnehmen. Über die erfolgreichsten Jahre in der Geschichte wussten die Seniorenfußballer und die Leichtathleten zu berichten. Erstmals stellte sich die neue Abteilung Dodgeball vor. Während in einzelnen Sparten wie Jugendfußball, Turnen oder Leichtathletik die demographische Entwicklung noch nicht spürbar sei, verzeichnet der Gesamtverein erstmals leicht rückläufige Mitgliederzahlen. Diese sank zum 31. Dezember 2014 um 120 gegenüber dem Vorjahr auf 3844 – weiter mehrheitlich weiblich, was sich mittlerweile auch in der Vorstandsmannschaft niederschlägt. Auch die Zahl der unter 18-Jährigen ging um gut sechs Prozent auf 1548 zurück.

Rege diskutiert wurden auch einige Anträge, die vorab an den Vorstand gerichtet wurden – darunter auch der Punkt Beitragswesen, der bereits Bestandteil der Tagesordnung war. Neben der Beitragsanpassung sprachen sich die Mitglieder gegen eine Änderung des einheitlichen Vereinsbeitrages aus. Eine Aufschlüsselung auf die einzelnen Abteilungen würde nicht zuletzt den Verwaltungsaufwand unermesslich erhöhen. „Wir wollen unseren Mitglieder weiter die Möglichkeit bieten, für einen Beitrag in allen Abteilungen aktiv zu sein“, fasste der neue Vorsitzende Wilfried Steinhage die Ergebnisse der Diskussion zusammen. Mit einem modernen Kosten- und Leistungsrechnungssystem wolle man in Sinne seiner Mitglieder künftig für „mehr Transparenz“ sorgen. Der Passus „Beirat“ solle aus der Satzung gestrichen werden, so die Mitglieder. Zunächst einmal zurück an den Vorstand verwiesen wurden die Anträge Ausgliederung der ersten Fußballmannschaft und größerer Versammlungsort für die Jahreshauptversammlung. Ergebnisse will der neue Vorstand zur kommenden Versammlung im Sommer 2016 aufbereiten. Abgelehnt wurde der Antrag, die Geschäftsstelle vom bisherigen Standort am Losberg in die Innenstadt zu verlegen.

„Die rege und konstruktive Diskussion zeigt mir, dass wir eine lebendige Gemeinschaft sind. Ich nehme viele - auch kritische - Denkanstöße mit, die wir nun im Vorstand weiter konkretisieren werden“, schloss Steinhage die Versammlung ab.

 

Das Antrittsinterview:

Der SuS Stadtlohn hat seit dem Wochenende einen neuen Vorsitzenden. Der bisherige zweite Vorsitzende Willfried Steinhage steht jetzt an der Spitze des größten Stadtlohner Vereins. Wir haben mit den 50-jährigen Stadtlohner Rechtsanwalt über seine Ziele gesprochen.

Wie ist Wilfried Steinhage eigentlich privat, wenn er nicht als Anwalt tätig ist?
Ich bin glücklich verheiratet, lebe in Stadtlohn und habe drei Kinder, zwei Mädchen und einen Jungen im Alter von 20, 18 und 15 Jahren. Mein Hobby ist die Jagd, ich verbringe viel Freizeit in der freien Natur und bin sportlich interessiert.

Wie kommt man darauf, Vorsitzender eines großen Sportvereins zu werden?
Mir macht die Vereinsarbeit großen Spaß. Ich bin seit mehr als 20 Jahren Mitglied beim SuS Stadtlohn. Vor etwas mehr als einem Jahr habe ich mich dazu entschlossen, in der Vorstandsarbeit mitzumachen und war jetzt ein Jahr lang zweiter Vorsitzender des Vereins. Als Hubert Tenbrinck mitgeteilt hat, dass er auf eine Kandidatur verzichtet, habe ich mich zur Verfügung gestellt. Jetzt bin ich gewählt, habe die Wahl angenommen und seitdem im Amt.

In welcher Abteilung des Vereins waren Sie selber sportlich aktiv?
Ich habe in der Kindheit sechs Jahre lang Fußball gespielt. Später bin ich aber auch Marathon gelaufen. Ich fühle mich daher nicht nur in einer Abteilung des SuS Stadtlohn zuhause. Unser Verein hat viele Abteilungen, wir haben ja gerade erst die Dogdeballer neu aufgenommen.

Was haben Sie sich für Ihre Arbeit als Vorsitzender vorgenommen?
Ich arbeite mit einem sehr guten Team zusammen. Der neue Vorstand geht voll motiviert an die anstehenden Aufgaben. Wir werden die einzelnen Abteilungen enger in die Arbeit einbinden. Das heißt, wir wollen den direkten Draht vom Vorstand zum Abteilungsleiter. Außerdem haben wir uns vorgenommen, die bestehenden Strukturen im SuS einmal genau anzuschauen, um eventuell auch alte Zöpfe abzuscheiden, wenn es sein muss.

Wie sieht es denn finanziell beim SuS Stadtlohn aus? Sie haben gerade die Beiträge erhöhen müssen…
Der SuS Stadtlohn hat einen ausgeglichenen Haushalt. Wir hatten fünf Jahre lang nicht mehr die Beiträge erhöht, und die jetzt beschlossene Anhebung der Mitgliedsbeiträge ist aus meiner Sicht recht moderat ausgefallen. In den vergangenen Jahren sind unsere Kosten aber deutlich gestiegen. Zum Beispiel müssen wir heute viel mehr für notwendige Versicherungen ausgeben.

Es gab auf der Jahreshauptversammlung den Antrag, die erste Fußballmannschaftaus finanziellen Gründen aus dem Verein auszugliedern. Wie sehen Sie diese Maßnahme?
Manche Vereine machen so etwas, zum Beispiel in der Fußballbundesliga. Die Oberligafußballer sind ein Teil des SuS Stadtlohn, nach außen hin sogar das Aushängeschild des Gesamtvereins. Und das soll auch so bleiben. Ich bin schon mehrfach darauf angesprochen worden, dass wir als Klub aus einer recht kleinen Stadt in der Oberliga Fußball spielen.

Der SuS Stadtohn spielt im Hülsta-Sportpark um Punkte. Die Möbelfirma war bislang Hauptsponsor des Vereins. Wird das in Zukunft so bleiben?
Wir werden als Vorstand in den nächsten 14 Tagen mit dem Unternehmen Hülsta Gespräche führen und danach wird die Entscheidung fallen, ob die Möbelmarke weiter Hauptsponsor des SuS Stadtlohn bleibt.

Welche großen gesellschaftlichen Herausforderungen sehen Sie in naher Zukunft auf den Verein zukommen?
Der SuS Stadtlohn hat als größer Sportverein in der Stadt mehr als 4000 Mitglieder. Wir wollen, dass unser Kinder auch in Zukunft die Möglichkeit haben, Sport zutreiben. Wir werden daher in enger Zusammenarbeit mit der Stadt an die Schulen gehen und da unsere Angebote in den verschiedenen Sportarten unterbreiten. Die heutige Jugend hängt zu viel vorm Computer oder spielt mit dem Smartphone.

Quelle: Münsterland Zeitung (Johannes Kratz)

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