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Ein Blick in die Geschichte
"Entschuldigung" nach sechs Jahren angenommen

In der Reihe „Wirtschaft trifft", veranstaltet durch das regionale Wirtschaftsmagazin „Wirtschaft aktuell" und die Sparkasse Westmünsterland, stattete Hans-Joachim Watzke dem Stadtlohner Flugplatz am vergangenen Dienstag einen Besuch ab. Der BVB-Boss, seit 2006 Vorsitzender der Geschäftsführung, veranschaulichte schlagfertig, wie er den Verein Borussia Dortmund 2005, als er in die Geschäftsführung berufen wurde, vor der Insolvenz rettete, sanierte und den Weg zur Deutschen Meisterschaft 2011 maßgeblich ebnete. Seinen Ausführungen voran setzte er eine „Entschuldigung": Stadtlohn sei dem Fußballkenner nachhaltig bekannt, sei es doch sein Heimatverein RW Erlinghausen, für den er 30 Jahre als Spieler, Trainer und heute noch als Präsident aktiv ist, gewesen, der dem SuS Stadtlohn im Sommer 2005 die Meisterschaft in der Verbandsliga verbaut habe. Seinerzeit benötigte der SuS einen Sieg, die Rot-Weißen stemmten sich allerdings gegen eine Niederlage und verhalfen so dem Delbrücker SC zum Aufstieg in die Oberliga Westfalen. „Das tut mir heute noch leid. Ich war gerade in Dortmund engagiert und hatte damals keinen Einfluss auf das Spielfeld", so der Sauerländer Unternehmer mit dem bekannten Augenzwinkern. Weiter: „Wär ich vor Ort und enger am Thema gewesen, hätte man in der Halbzeit vielleicht noch was machen können..." Auch heute noch ist Watzke Präsident von Erlinghausen - im Grunde allein, weil man „keinen anderen findet." Seit fünf Jahren habe er an keiner Vorstandssitzung mehr teilgenommen - im Sommer treffe er sich allerdings jährlich in seinem Urlaub mit seinen Vorstandskollegen, um die Planungen bei RW, das sich auf Anraten Watzkes nach dessen Abschied freiwillig in die Bezirksliga zurückgezogen hatte, abzustecken. „Dann nehmen wir uns drei Tage Zeit. Heute sag ich, wär ich in diesem Jahr besser nur einen Tag geblieben", so Watzke. Der Hintergrund: Nach elf Siegen in Serie klopft Erlinghausen schon wieder an das Tor zur Landesliga. Ob er aktiv noch für die Altherren auflaufe, wies er rigoros zurück: „Das letzte Spiel hab ich vor zwei Jahren bestritten. Nachher hat man mir die Bilder gezeigt, die mir vor Augen führten, dass die eigene Wahrnehmung von der äußeren wie bei vielen Fußballern enorm abweicht. Da hab ich mir gesagt: Lass es lieber!" Sechs bis sieben Heimspiele besuche er auch heute noch - und nutzt dabei das Sitzkissen, das ihm der Ortsvorsteher, seit 1975 im Amt, zur Verfügung stelle. „Der sitzt immer auf zwei Kissen. Wenn er mich sieht, gibt er mir eines ab." Was ihn aus den erfolgreichen Unternehmer vom beschaulichen Sauerland in die damalige Krisenmetropole nach Dortmund gelockt habe? „Die Abenteuerlust." Der eingefleischte BVB-Fan hatte noch eine andere Erklärung parat: „Ich war der einzige, der das Handy nicht aus hatte, als Rauball anrief." Seitdem gelang es Watzke, in sieben Jahren 122 Millionen Euro Schulden mit der „negativen Begleiterscheinung, dass 90 Millionen fällig waren", abzubauen. „Neue Schulden wird der Verein nie mehr machen", so sein Versprechen. Der BVB verfüge über genügend stille Reserven. „Heute steht der Buchwert des Kaders bei rund 20 Millionen Euro. Das war mal ganz anders. Als ich angefangen habe, war Amoroso für 28 Millionen verpflichtet worden. Zwei Jahre später ist er ablösefrei gegangen. Das ist bilanziell schwierig darzustellen." Der sportliche Erfolg werde sich künftig stets an den wirtschaftlichen Rahmenbedingungen ausrichten - und wenn diese nur Platz fünf zuließen, sei dies auch in Ordnung.

Schlagfertig und stets mit einem Augenzwinkern gab Hans-Joachim Watzke (r.) einen spannenden Einblick in die Geschicke bei Borussia Dortmund. Dabei spannte er den Bogen zu seinen Wurzeln - seinem Heimatverein RW Erlinghausen, mit dem der SuS Stadtlohn seit gut sechs Jahren eine besondere Beziehung führt.

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