Ein bewegtes erstes Saisondrittel liegt hinter dem VfB Fichte Bielefeld. Nach völlig verbocktem Start mit dem vorletzten Tabellenplatz und noch ohne Sieg haben Beim Fusionsklub die Gesetzmäßigkeiten im Fußball bereits gegriffen: Der VfB Fichte hat nach einer Niederlagenserie seinen Trainer Mark Sawkill freigestellt, interimsweise übernahmen das einstige Tabellenschlusslicht der Westfalenliga Nachwuchscoach Ivan Pacheco und der aktuelle Co-Trainer Jan Barkowski. Es zeigt sich, dass der enorme Umbruch im Sommer nicht auf Anhieb verkraftet werden konnte. Allein 17 neue Spieler - überwiegend von Landesligisten aus dem Bielefelder Raum - versuchte man einzubauen, nachdem Leistungsträger wie Güven Aydin, Hüseyin Geceli, Sami Önen und Bayamba Belombo den Verein verlassen hatten. Viele dieser Neuzugänge wurden erst kurz vor Ende der Transferperiode verpflichtet respektive bekamen erst spät die Freigabe, so dass sich die Mannschaft kaum einspielen konnte. Wie ein roter Faden zieht sich eine enorme Abschlussschwäche durch die bisherige Spielzeit des VfB, obwohl mit Ismail Altunsaban, Murat Kizilkaya oder auch dem derzeit gesperrten Dario Scardino namhafte Offensivakteure im Kader stehen. Dieser missratene Auftakt reiht sich nahtlos in die wechselhaften vergangenen Jahre beim früheren Stadtlohner Oberliga-Gefährten ein. Der 37-Jährige Sawkill löste Ende 2007 nach dem freiwilligen Rückzug in die Landesliga Mark Spilker ab und führte das Team auf Platz fünf. Im Jahr darauf wurde der VfB Fichte Kreispokalsieger und schaffte über das Westfalenpokal-Endspiel den Einzug in die erste DFB-Pokalhauptrunde. Im August 2009 feierten die „Verschmolzenen" als Westfalenliga-Aufsteiger ein historisches Fußballfest gegen den Bundesligisten Borussia Mönchengladbach auf der „Alm". Es folgte der Klassenerhalt in der Westfalenliga. Mit diesem Ziel waren Sawkill und der VfB Fichte auch in die aktuelle Saison gegangen. Im Vorjahr siegte der SuS im hülsta-Sportpark mit 4:2, das Rückspiel auf der Bielefelder Rußheide endete 1:1-Unentschieden.

(h.v.l.) Thomas Knetter (Physio), Murat Karanfil
(sportl. Leiter), Davor Ilic, Hakan Bayer, Marc Smith, Konstantin Beckmann,
Cedric Kwamo-Kamdem, David Schwesig, Julian Hesse, Stefan Dalmis, Ralf Lemke
(Abteilungsleiter Fußball).
(M.v.l.) Manfred Petzak (Geschäftsführer
Fußball), Mark Sawkill (Ex-Trainer), Silvio Löbel (Betreuer), Gökhan Gebedek,
Christoph Stelberg, Milaim Bobaj, Ibrahima Sory Cisse, Tobias Kutz, Jonathan
Hailemichael, Lars Büscher, Roman Gerke, Jan Barkowski (Co-Trainer), Birger
Walkenhorst (TW-Trainer), WANDI (Maskottchen), Jobst Hölzenbein (stellvertr.
Abteilungsleiter Fußball), Udo Kley (Teambetreuer).(v.vl.) Ismail Altunsaban, Dario Scardino, Daniel
Reineke, Holger Peterhanwahr, Kai Potthoff, Semih Özsalih, Serdar Öksüz.
Der VfB Fichte Bielefeld in der Saison 2010/2011
Zugänge: Konstantin Beckmann (Arminia Bielefeld II), Cedric Kwamo-Kamdem, Tobias Kutz (beide Arminia Bielefeld III), Steffen Dalmis, David Schwesig (beide SV Avenwedde), Christoph Stelberg (VfR Wellensiek), Hakan Bayer (TuS Dornberg), Gökhan Gebedek, Lars Büscher (beide Arminia Bielefeld U 19), Julian Hesse, Serhat Öksüz (beide FC Stukenbrock), Davor Ilic, Kai Potthoff (beide VfL Theesen), Daniel Reineke (SC Herford), Jonathan Hailemichel (eigene Jugend), Ibrahim Cisse (Frankreich), Murat Kizilkaya (FC Gütersloh 2000).
Abgänge: Güven Aydin (Trainer TuS Hillegossen), Sonad Taner, Serhat Acikdilli (beide FC Türk Sport), Till Niemeyer (SpVg Steinhagen), Erdem Cömert (SC Bad Salzuflen), Sami Önen (FC Gütersloh 2000), Karim Hankar (DSC Arminia Bielefeld III), Patrick Njoh (TuS Hillegossen), Bayamba Belombo (Lüstringen), Mert Bozkurt, Hüseyin Geceli.
Die Einschätzungen unserer Trainer
Frank Bajorath (Westfalenligamannschaft)
"Unverändert schlecht stellt sich die Lage der Westfalenligamannschaft dar. Auch in den vergangenen beiden Spielen haben wie nicht wie erhofft die Wende zum Guten einleiten können. Da der Abstand zum rettenden Ufer und zu den Mannschaften aus dem Mittefeld mittlerweile beträchtlich angewachsen ist, müssen wir unser Saisonziel nach einem Drittel der Spielzeit korrigieren. Es kann und wird einzig und allein darum gehen, den Abstieg in die Landesliga abzuwenden.
Den vorläufigen Tiefpunkt hatte das Team beim 1:5 gegen den Aufsteiger Gievenbeck erreicht. Gegen einen keinesfalls überzeugenden Gegner darf sich eine Mannschaft, die mit dem Rücken zur Wand steht, nicht präsentieren. Was mich besonders nachdenklich gemacht hat, war der Umstand, dass nach den Gegentoren überhaupt keine Reaktion zu sehen war. Dass eine Elf auf diesem Niveau binnen sechs Minuten dreimal nach gleichem Schema ausgekontert wird, darf nicht passieren. Das war beschämend und nicht zu entschuldigen. Meine klaren Worte schien die Mannschaft dann bei der Hammer SpVg erhört zu haben. Selbst nach dem unbedingt zu vermeidenden frühen Gegentor und dem nicht minder unglücklich zustande gekommenen zweiten Hammer Treffer gab sich die Mannschaft - anders als in der Vorwoche - nicht auf und suchte ihre Chance, den Kurs zu korrigieren. Sicherlich war die allgemeine Verunsicherung bei vielen Aktionen zu spüren, echte Großchancen blieben weitestgehend aus und der Gastgeber schaltete nach der Pause einen Gang zurück. Aber: Schon in der vergangenen Ausgabe habe ich darauf hingewiesen, dass wir auf dem beschwerlichen Weg aus dem Tabellenkeller heraus in kleinen Schritten denken müssen. Und einen von diesen haben wir in Hamm vollzogen.
Liebe SuS-Anhänger, ich kann Ihnen natürlich weiter die üblichen, in schwierigen Situationen gern verwendeten Floskeln und Fußballweisheiten nahebringen. Aber: Sie wie ich wissen genau, welche Bedeutung die kommenden Wochen bis zum Winter und ganz besonders das heutige Heimspiel gegen den VfB Fichte Bielefeld besitzen. Dieser ebenfalls angeschlagene Gegner muss geschlagen werden - ohne Wenn und Aber. Mit einem Sieg könnten wir dem ersten Ansatz einer Trendwende Nachdruck verleihen. Auf dieser Basis müssen wir dann auch aus den kommenden Spielen - überwiegend gegen Konkurrenten aus der unteren Tabellenhälfte - kontinuierlich weiterpunkten, um uns eine Ausgangsposition zu schaffen, die Anlass zur Hoffnung auf eine Fortsetzung der Aufholjagd nach der Winterpause gibt.
Die Voraussetzungen für ein attraktives Westfalenligaspiel waren sicherlich schon einmal besser. Spielt Bielefeld quasi schon um seine letzte Chance, stellt sich unsere Lage zumindest noch ein wenig besser dar. Dass dies auch am Sonntag gegen 16.15 Uhr noch ist, das muss unser aller Ziel sein. Das trübe Herbstwetter lädt geradezu dazu sein, die nun notwendigen Tugenden in die Waagschale zu werfen."
Tim Probst (Reserve)
"So kann es weitergehen: Die Reserve hat ihr Tief überwunden und mit drei überzeugenden Auftritten in Serie die Trendwende eingeleitet und sich wieder in die Spitzengruppe gespielt. Die Erfolge gegen nicht einfach zu bespielende und robuste Gegner wie Lünten, Ammeloe und Wüllen haben gezeigt, wozu die Mannschaft in der Lage ist, wenn sie sich auf die einfachen Dinge des Fußballs besinnt. So kommen letztlich auch die zweifellos vorhandenen fußballerischen Qualitäten zum Tragen. Natürlich kommt uns nun der Umstand zugute, dass wir nachhaltig auf Unterstützung aus dem Westfalenligakader bauen können - nicht nur im Spiel, sondern auch in den Trainingseinheiten. In der Situation, in der sich die erste Mannschaft befindet, müssen die Kräfte nun einmal gebündelt werden. Die Tatsache, wie sich die Spieler aus der Ersten mit der Reserve identifizieren und wie sie sich einbringen, macht mir Hoffnung für die Zukunft. Der Konkurrenzkampf wird weiter erhöht, jeder Spieler erhält so die Gelegenheit, sich zu präsentieren und für höhere Aufgaben zu empfehlen. Der rege Austausch mit Frank Bajorath ist in dieser Hinsicht obligatorisch. In den kommenden Spielen bis zum Winter geht es nun darum, uns im oberen Drittel festzusetzen und den Abstand zur Spitze gering zu halten oder besser noch abzubauen. Aber ich warne davor, den aktuellen Lauf zu überschätzen. Wir haben diese Situation bereits einmal durchgemacht und in der Folge die Quittung für unsere Nachlässigkeiten erhalten. Ich bin gespannt darauf, inwieweit die Mannschaft ihre Lehren aus dieser Erfahrung gezogen hat. Schließlich geht es in Folge nun mit Gronau, Südlohn und Epe gegen Gegner, die aufgrund fehlender Konstanz schwer einzuschätzen sind. Gerade diesen Mannschaften müssen wir von Beginn an aufzeigen, wer die Dominanz auf dem Platz einnehmen will."
Mark van Almsick (Dritte)
Der dritten Mannschaft ist die zuletzt gezeigte Geradlinigkeit ein wenig abhanden gekommen. Beim 1:4 in Ahaus mussten wir die Überlegenheit des Gegners anerkennen. Damit kann und muss ich leben. Die Bäume wachsen auch für die dritte Mannschaft nicht in den Himmel. Einen echten Arbeitssieg haben wir dann gegen Wessum eingefahren. Zum einen freut es mich, dass die Mannschaft nach der Pleite in Ahaus sofort wieder in die Erfolgsspur zurückgefunden hat. Zum anderen muss ich anerkennen, dass ein derart „dreckiger Sieg" wohl nur zustande kommt, wenn man oben steht und gegen einen Gegner antritt, der völlig verunsichert ist. So sind die Mechanismen im Fußball nun einmal, in der Vorrunde der vergangenen Saison haben wir diese Situation bereits öfter umgekehrt erlebt. Hätte mir jemand vor der Saison gesagt, dass wir nach einem Dutzend Spielen 21 Punkte eingefahren haben, hätte ich diesen womöglich für verrückt erklärt. Aber zeigt es mir auch, dass wir im Sommer keine überambitionierten Ansprüche ausgegeben haben. Nun liegt es an uns, die erfreuliche Zwischenbilanz zu verstetigen.








