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Neues zur NRW Liga
"Dürfen wir überhaupt noch Fußball spielen?"

Reviersport-Kommentar zum NRW-Liga-Statut
Ohne Rücksicht auf Verluste
Die meisten Vereinsvertreter, die der Einladung des WFLV am Mittwoch folgten und am NRW-Liga Informationsabend teilnahmen, dürften die Heimreise mit einer ordentlichen Portion Wut im Bauch angetreten haben. Statt auf die Belange und Nöte der ohnehin gebeutelten Amateurvereine einzugehen, hagelte es im Laufe des Abends „Totschlag-Argumente". Statt der erhofften, sachlichen Diskussion wurden die Klubs vor vollendete Tatsachen gestellt.
Das Statut, welches auffällig viele Parallelen zum aktuellen Anforderungskatalog der Regionalligen enthält, sorgte vielerorts für Fassungslosigkeit, führte teilweise sogar zu Resignation. Wenn aktuelle Oberligisten sogar ankündigen, auf eine Bewerbung zur NRW-Liga zu verzichten, obwohl die sportliche Qualifikation vorhanden ist, andere sogar einen Aufschub der Liga-Reform fordern, wird deutlich, wer Gewinner und Verlierer dieser „Verbands-Meierei" sein wird. Die Funktionäre setzen ohne Rücksicht auf Verluste umfassende Reformen um, die im Lebenslauf der Amtsinhaber irgendwann sicherlich gut aussehen werden. Doch der Fußball bleibt auf der Strecke.
Das Thema Sicherheit ist ohne Frage sensibel zu behandeln, da waren sich alle Teilnehmer einig. Allerdings wurde deutlich, dass man sich mit der Ist-Situation in den Oberligen nur oberflächlich beschäftigt hat. Ein Indiz dafür ist der plakative Vergleich mit der Oberliga West (Vorläufer der Bundesliga, 1947 – 1963), die mit einer NRW-Liga enorm wenig Gemeinsamkeiten haben wird. DFB-Funktionär Harald Mayer ließ kaum ein Fettnäpfchen aus, gab zu, dass er die meisten Vereine bei der Tagung gar nicht kenne.
Auf seine Frage, wie weit denn Eintracht Rheine mit dem Bau der Haupttribüne sei, brach Gelächter aus: Die Tribüne steht seit zehn Jahren. Besser noch: Die Größe der Mannschaftskabinen beläuft sich auf 30 Quadratmeter – auf damalige Empfehlung des DFB. Zehn Quadratmeter zu wenig für die Teilnahme an der NRW-Liga. Horst Darmstädter, Geschäftsführer des VfB Hüls, erinnerte Mayer schon frühzeitig daran, seinen Zug bitte nicht zu verpassen - unter dem Applaus seiner Kollegen und Leidensgenossen.
Es läuft darauf hinaus, dass der Verband existenzbedrohende Entscheidungen fällt – über die Köpfe derer hinweg, die sich Tag für Tag mit den Folgen auseinandersetzen dürfen. Kritische Fragen und Anmerkungen werden teilweise ignoriert, Ängste geschürt. Eine beratende Kommission, die den Vereinen „jederzeit beiseite stehen wird", ist Stand heute noch nicht einmal gegründet. Die Begründung, man wolle schon jetzt Probleme bei einer Qualifikation für die Regionalliga vermeiden, wird zur Farce. Klubs, die unter zum Teil widrigen wirtschaftlichen und organisatorischen Voraussetzungen mit einem Kraftakt die sportliche Qualifikation zur NRW-Liga schaffen, planen sicherlich nicht den Durchmarsch.
Das Statut muss dringend überdacht und gelockert werden, ansonsten werden Wattenscheid 09, Velbert und diverse Zweitvertretungen den Aufstieg in die Regionalliga demnächst unter sich ausmachen. Dem Amateurfußball nimmt man den Charme, den kleinen Klubs die Existenzberechtigung.

Christian Pozo y Tamayo

Forderungen sorgen weiter für dicke Luft
Am Mittwochabend lud der Westdeutsche Fußball- und Leichtathletikverband (WFLV) Vertreter der Ober- und Verbandsligen zu einer Informationsveranstaltung hinsichtlich der kommenden NRW-Liga, die schon in einem halben Jahr die Oberligen Nordrhein und Westfalen ersetzen wird. Der Anforderungskatalog des Verbands an die möglichen Teilnehmer dieser Liga ist 72 Seiten stark und beinhaltet zahlreiche bauliche, wirtschaftliche und organisatorische Auflagen, die derzeit kaum ein Kandidat erfüllen kann. Schnell herrschte "dicke Luft" im Tagungssaal.
Die rund 80 Teilnehmer der Tagung machten ihrem Ärger Luft. Realitätsfremd, überzogen und wirtschaftlich nicht tragbar seien die Auflagen, um eine Zulassung zur fünften Spielklasse zu erhalten. Durchaus nachvollziehbare Argumente. Bauliche Maßnahmen, wie zum Beispiel der 2,20 m hohe Zaun, der sowohl außerhalb der Anlage, als auch zur Trennung zwischen Innenraum und Gästebereich gefordert wird, passen den chronisch klammen Amateurvereinen sicherlich nicht in das Finanzkonzept, das ohnehin keine großen Sprünge erlaubt.
Das ganze vor dem Hintergrund, dass Fernsehgelder wegfallen und die regulären Abgaben an den Verband drastisch erhöht werden. Die Zulassungsgebühr wird sich mit 1.500,- Euro verzehnfachen, pro Spiel verlangt der Verband in Zukunft 5 % der Einnahmen durch den Kartenverkauf, mindestens jedoch 250,- Euro. Die zahlreichen Amateurvereine, die zuletzt immer häufiger in höchsten Finanznöten stecken, werden also demnächst noch öfter zur Kasse gebeten. Dazu kommt das Verbot, alkoholhaltige Getränke auszugeben. Eine Vorschrift, die erfahrungsgemäß zu starken Umsatzeinbußen im Catering führen wird.
Heinz-Leopold Schneider, Vorsitzender des Verbandsfußballausschusses, zeigt nur bedingt Verständnis für die Sorgen der Klubs und gibt den schwarzen Peter direkt weiter: "Diese ganzen baulichen Maßnahmen zur Erhöhung der Sicherheit sind Forderungen des Deutschen Städtetags und der Polizei, die wir auf Verbandsebene weitergeben müssen. Außerdem soll diese Liga für Qualität stehen."
Besonders kritisch kommentierte die Versammlung die zeitliche Planung des Verbands. So müssen die kompletten Bewerbungsunterlagen bis zum 17. März beim Verband vorliegen - inklusive Nachweis der baulichen und organisatorischen Vorraussetzungen. Zwar betonten die Funktionäre, dass man den Vereinen beratend zur Seite stehen möchte, eine Komission hierfür gibt es allerdings noch nicht. Wie der Verband dieses Vorhaben umsetzen möchte bleibt fraglich - die Zeit rennt.
Darüber hinaus bleibt die Frage nach der Verhältnismäßigkeit. Sicherlich braucht kaum ein Fünftligist zehn Arbeitsplätze für Journalisten, dazu drei separate Telefonleitungen - vor allem im Zeitalter des Mobilfunks. Schneider: "Wir gehen davon aus, dass jeder NRW-Ligist die Ambitionen hat, irgendwann den Sprung in die Regionalliga zu schaffen. Spätestens dann tauchen ähnliche Probleme auf, die wir mit dieser Regelung im Vorfeld verhindern können."
Im Klartext: Der Verband verlangt von aktuellen Viert- und Fünftligisten, dass man schon in knapp vier Wochen die Voraussetzungen für die übernächste Spielklasse mitbringt, ungeachtet der sportlichen und wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit. Übergangslösungen seien zwar möglich, jedoch werde kein Verein die Probleme aussitzen können. "Die Teilnahme an der Liga ist keine Pflicht. Wer nicht will oder kann, der muss halt nicht", erklärte Schneider, erntete aber Unverständnis.
Die "Wundertüte" NRW-Liga wird kommen, daran gibt es keinerlei Zweifel. Unter diesen Voraussetzungen werden einige Vereine jedoch schon bei der Stadionabnahme scheitern. Der Eindruck, dass beim Verband die Nähe zur Basis fehlt, verhärtet sich. Harald Mayer, Mitglied des DFB-Sicherheitsausschusses, eröffnete seinen Vortrag mit der Anmerkung, dass er die meisten teilnehmenden Vereine gar nicht kenne.
Die plakativ anmutende Ankündigung des Gremiums, dass die NRW-Liga ähnlich attraktiv daherkommen wird wie die Oberliga West, sorgte bei den geschichtssicheren Vereinsvertretern für allgemeine Belustigung. Während sich in der 1947 gegründeten Liga, die 1963 von der Bundesliga abgelöst wurde, Vereine wie Borussia Dortmund, Schalke 04, Rot-Weiss Essen und der 1. FC Köln duellierten und die Kampfbahnen aus allen Nähten platzten, wird die Partie zwischen Germania Dattenfeld und dem VfB Hüls wohl kaum ein Publikumsmagnet.

"Dürfen wir überhaupt noch Fußball spielen?"
von Olaf Krimpmann
FUSSBALL. Die Vorfreude auf die NRW-Liga droht langsam aber sicher zu kippen. Wer in die Eliteklasse des Amateurfußballs einziehen will, muss nicht nur sportlich überzeugen. Die Hürden auf dem Weg in die neue fünfte (!) Liga sind weitaus höher, als befürchtet.
"Dürfen wir überhaupt noch Fußball spielen?", fragt in diesem Zusammenhang sicher mit einigem Recht Horst Darmstädter. Der Fußball-Boss hat mit dem VfB Hüls die NRW-Liga fest im Visier. "Sportlich ist das schließlich eine Herausforderung", sagt Darmstädter. Organisatorisch eher eine Herkulesaufgabe.
Neben dem Nachweis der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit sind die Vereine gezwungen, auch eine spiel- und organisationstechnische Prüfung über sich ergehen zu lassen. Gerade die hat es in sich.
Es sind scheinbare Banalitäten wie überdachte Presseplätze mit Pulten und Telefonanschlüssen, ein VIP-Raum, das Mindestmaß von Kabinengrößen und die Stellung eines Dopingraumes dabei. Aber eben nicht nur. "Mir erschließen sich einige Vorgaben nicht", sagt Achim Trautmann (Bild links) - , Vorsitzender der Spvgg. Erkenschwick.
So ist beispielsweise vorgeschrieben, vier räumlich getrennte Zugänge für Zuschauer zu öffnen und im Stadion vier Sektoren zu schaffen - inklusive sanitärer Anlagen und Möglichkeiten der Bewirtung.
"Was das bringen soll, wenn wir gegen RW Ahlen II vor 400 Zuschauern spielen, weiß kein Mensch", sagt Trautmann, der aus eigener Erfahrung auch zu berichten weiß: "Auch als wir 3000 Zuschauer gegen Preußen Münster im Stadion hatten, haben zwei getrennte Sektoren vollkommen ausgereicht."
Am Stimberg wie am Badeweiher wird man sich natürlich der Herausforderung stellen. "Selbstverständlich werden wir versuchen, die baulichen Vorgaben zu erfüllen", sagt Horst Darmstädter. Im Badeweiher-Stadion, das bereits über vier Zugänge verfügt, seien die Maßnahmen sogar mit verhältnismäßig überschaubaren Mitteln zu schaffen - mal abgesehen von der Frage nach ausreichenden sanitären Anlagen.
Anders sieht es beispielsweise in Schermbeck aus. Der Name Volksbank-Arena klingt zwar nach großer Fußballwelt, doch leider verbirgt sich dahinter eine Sportanlage, die nicht mit den sportlichen Erfolgen der ersten Mannschaft mitgewachsen ist. Was das Thema Fan-Trennung betrifft, gibt es am früheren Waldsportplatz dazu aktuell keine Möglichkeiten. Das Thema Parkplätze ist aufgrund der Lage des Stadions mitten in einem Wohngebiet ohnehin nicht zu lösen. Vorsitzender Johannes Brilo gesteht: "Ich bin im Moment völlig ratlos."
Für das Oberliga-Heimspiel gegen Preußen Münster ziehen die Schermbecker bereits um ins Weseler Auestadion. Dass der SVS am Niederrhein eine dauerhafte neue Bleibe finden könnte, wäre für die NRW-Liga zwar eine Möglichkeit - aber auch die letztmögliche. Denn wer verlässt schon gerne seine Wurzeln?

Am Mittwoch nächster Woche sind die Vereinsvertreter zu einem Informationsabend in die WFLV-Zentrale nach Duisburg eingeladen. Ein recht später Termin. Nicht nur Achim Trautmann bedauert: "Besser wäre es gewesen, man hätte die Vereine vorher ins Boot geholt und mit ihnen gemeinsam über ein schlüssiges und vor allem umsetzbares Konzept diskutiert."
Der Erkenschwicker Vorsitzende hegt die Hoffnung, dass "es Übergangsfristen geben wird. Diese Forderungen können die meisten Vereine doch gar nicht erfüllen".
Kein Pardon kennen die Verbände bekanntlich in Fragen der Finanzen. Fünf Prozent der Zuschauereinnahmen, mindestens aber 250 Euro Abgabe verlangt der WFLV pro Heimspiel von den NRW-Ligisten. "Bei 17 Heimspielen kommen da locker 4000 Euro zusammen", rechnet Horst Darmstädter (Bild rechts) - flugs zusammen, "nur wofür?" Bislang, so der Funktionär, entstünden nur Kosten, und das, "obwohl die Oberliga Westfalen meiner Meinung nach attraktiver ist als es die NRW-Liga je sein wird". TV-Gelder, in der Oberliga Westfalen immerhin rund 13000 Euro pro Saison, soll's in der NRW-Liga im übrigen keine geben.

Dieter Most, Technischer Leiter beim VfB Hüls, sieht, dass "die aktuellen Bestimmungen für die aktuelle Regionalliga ziemlich eins zu eins übernommen wurden". Mit dem Unterschied: Vereine wie Eintracht Braunschweig oder Fortuna Düsseldorf, die für 5000 oder mehr Gäste-Fans stehen, sind in der NRW-Liga nicht zu erwarten. Im Gegenteil: Aktuell wären sogar vier Zweitvertretungen dabei.
Aus seiner Zeit bei der Spvgg. Erkenschwick in der damaligen Regionalliga West-Südwest (1994 - 1999) kennt Most die Auflagen seitens des Verbandes gut. "So umfangreich wie jetzt war das aber nicht im Ansatz", sagt er.
Besonders sauer dürfte vor allem den Zuschauern Paragraph 19.1 der Bestimmungen aufstoßen. Dort steht, dass "der Verkauf und die öffentliche Abgabe von alkoholischen Getränken vor und während des Spiels innerhalb des gesamten umfriedeten Geländes der Platzanlage grundsätzlich untersagt" sind. Nur mit ausdrücklicher Einwilligung der zuständigen Behörden (sprich: Polizei) sei "der Ausschank von alkoholreduziertem Bier (mit einem Alkoholwert von nicht mehr als fünf Prozent) und Getränken mit vergleichbar geringem Alkoholgehalt" erlaubt.
Pikant: Das schreibt ein Verband vor, dessen untergeordnete Mitglieder (FLVW, Fußballkreise) ihre Pokalrunden seit Jahren von einer Brauerei sponsern lassen...

Ein Schock-Paket
Von Jo Gernoth
Der SV Schermbeck steht vor schier unerfüllbaren Auflagen des WFV, wenn er in der künftigen NRW-Liga antreten möchte.Vereinschef Johannes Brilo ist empört

FUSSBALL OBERLIGA WESTFALEN
Schermbeck. Die Nachricht platzte wie eine Bombe in die harmonisch optimistische Stimmung, die grundsätzlich beim SV Schermbeck herrscht: Der Westdeutsche Fußball-Verband ließ jetzt völlig überraschend die Katze aus dem Sack und schockte die möglichen Aspiranten der neuen NRW-Liga mit haarsträubenden Forderungen. "Das ist doch völlig fern von jeder Realität, was da gefordert wird", fasst sich Brilo an den Kopf. In der Tat haben die Forderungen der Verbandsfunktionäre nur wenig mit der Wirklichkeit in der Liga zu tun. Da wird ein vierteiliger, abgetrennter Fanbereich gefordert, für den natürlich auch jeweils eine Toilette vorhanden sein muss. Es drängt sich bei der Forderung nach mindestens 40 Quadratmeter großen Spielerkabinen der Eindruck auf, dass demnächst die Aufwärmphase in der Umkleide stattfinden soll. Den Pressevertretern winken moderne Zeiten: Zehn Arbeitsplätze mit Telefonanschluss sind bereit zu stellen. "Mit solchen Forderungen kommen die Mitte Februar aus den Sträuchern. Am 15. März ist die Anforderung nachzuweisen. Wie soll so etwas gehen?", fragt sich Johannes Brilo zu Recht. Aber der Kuriositäten gibt es noch reichlich im Forderungspaket der Herren Funktionäre. "Wir erhalten keinen Cent aus den Fernseheinnahmen, aber wir sollen einen Platz für eine Hauptkamera einrichten", ereifert sich Brilo. "Aber für derartige geniale Ideen dürfen wir demnächst fünf Prozent der Einnahmen, mindestens jedoch 250 Euro an den Verband überweisen. Im Klartext heißt das, dass wir bei gewöhnlichen Spielen nach Abzug der Schiedsrichtergebühren die gesamte Einnahme an den Verband überweisen dürfen", fährt Brilo fort und vergisst dabei nicht zu erwähnen, dass sich für die aktuelle Oberliga die Meldegebühren bereits auf 2600 Euro in Toto verdoppelt haben.
"Es drängt sich der Eindruck auf, dass mit dieser Politik eine Auswahl betrieben wird und die fünfte Spielklasse gepusht werden soll", vermutet Horst Darmstädter vom VfB Hüls, der einer der intimen Kenner der Szene ist.
Natürlich wird in Schermbeck nachgedacht, ob es Lösungen geben kann. "Wir werden den SVS nicht im Regen stehen lassen, aber bis zum Saisonstart kann praktisch nichts geschehen" meint Ernst Christoph Grüter, erster Bürger der Gemeinde Schermbeck und spielt dabei auf Neubaupläne des SVS an.  Brilo will bei einer WFV-Info-Veranstaltung am 20. Februar Dampf ablassen und hofft darauf, dass es Übergangsregelungen geben wird. Ach ja: So ganz nebenbei muss sich der SVS ja auch noch sportlich qualifizieren und bis zum 15. April seine wirtschaftliche Situation Liga-tauglich darstellen. Wer weiß, vielleicht müssen die Schermbecker zum 1. April sogar noch eine Landebahn für die Privatjets der potenziellen Fans nachweisen.

Forderungskatalog für Oberligisten: Schnippe stellt sich hinter den FCE
Rheine. Seit vielen Jahren ist Hans-Dieter Schnippe Funktionär und kennt beide Seiten der Fußballwelt. Die der Aktiven und die des Verbandsoffiziellen.  Dem Vorsitzenden des Fußballkreises Steinfurt und Staffelleiter der Verbandsliga 1 sind fast alle Kniffe im Regelwerk ein Begriff. Gehorsam setzt er die Vorgaben der höheren Fußballinstanzen aus Frankfurt und Duisburg-Wedau um. Doch beim Lesen des Papiers, das vergangene Woche allen Oberligaklubs ins Haus flatterte (die MV berichtete), stellten sich auch bei Schnippe die Nackenhaare auf. Vor allem die den FC Eintracht Rheine betreffende Regelung, dass fünf Prozent der Einnahmen, mindestens aber 250 Euro pro Heimspiel an den Verband gezahlt werden müssten. „Ich finde den Grundbetrag zu hoch", stört sich Schnippe, selbst Mitglied im Verbandsfußballausschuss, am versuchten Griff in leere Taschen. Zurzeit profitiert der FCE – wie die Klubs in tieferen Klassen – von einer Jahrespauschale, die 900 Euro im Jahr ausmacht (siehe Kasten „Zum Thema"). „Die Pauschale war ein Entgegenkommen an die Ehrenamtlichen, weil der Verwaltunsaufwand enorm gewesen wäre, wenn jeder Verein pro Spiel hätte abrechnen müssen", achtete Schnippe auf eine praktische Lösung, die außerdem kostengünstiger als eine Abrechnung pro Spiel ist. „Wir haben die Zuschauerzahlen zu Grunde gelegt und zum Wohle der Vereine sehr nach unten abgerundet."  Sollten die neuen Vorschläge vom Westdeutschen Fußball- und Leichtathletikverband (WFLV) greifen, drohen dem FCE nicht nur höhere Verbandskosten. Auch beispielsweise die geforderte Kabinengröße von 40 Quadratmetern würde Umbaukosten unbekannten Ausmaßes verursachen. „Wollen die eine Tanzfläche in der Kabine haben oder dort einen Swimming Pool anlegen?", schüttelt Schnippe angesichts solcher Vorschriften den Kopf. Noch sei das Kind nicht in den Brunnen gefallen, Schnippe rechnet mit Widerstand der Vereine. Frühestens bei der Informationsveranstaltung am 20. Februar in Duisburg-Wedau. Persönlich wird Schnippe nicht vor Ort sein, beim WFLV ist er nicht mit Sitz und Stimme vertreten. „Ich würde mich liebend gerne einbringen, habe aber keine Chance und Handhabe", hofft er auf die Einsicht der Verbandsoberen: „Es wird sicherlich Ausnahmeregelungen geben."

VON DIRK MÖLLERS

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Warum die NRW-Liga zum Kraftakt wird
Von Willy Schweer
Iserlohn. Die NRW-Liga ist das große Ziel vieler Oberligisten. Die Mannschaften legen sich ins Zeug, um zumindest Platz elf zu erreichen, aber nicht minder gefordert sind die Vorstände, um die Rahmenbedingungen zu erfüllen.
Denn wer in der neuen fünfthöchsten Spielklasse mitmischen will, muss einige Hürden nehmen. Kurios mutet zunächst der Hinweis auf das Ende der Bewerbungsfrist an: 15. März um 15.30 Uhr (!). So steht es auf Seite drei des 20-seitigen NRW-Liga-Status, nach dessen Studium manchen Vorstand das Gefühl beschleichen dürfte, dass Funktionäre mit Energie und Akribie konsequent an der Praxis vorbeigeplant haben. 250 Euro aus Zuschauereinnnahmen an den Verband
Dass jeder Verein mindestens 250 Euro aus seinen Zuschauereinnahmen an den westdeutschen Fußball-Verband abzutreten hat, ist schon ein ziemlicher Brocken. Generell veranschlagt der WFLV seinen Anteil mit fünf Prozent, bei Relegationsspielen sind es sogar zehn Prozent.
Dass den Vereinen detaillierte Angaben zur Gewinn-/Verlustrechnung, über Verbindlichkeiten, Sponsorenverträge und Spielergehälter abverlangt werden, kennen sie aus Zulassungsverfahren für die Oberliga. Die Vorschriften zur Heimspielstätte sprengen jedoch den bisherigen Rahmen. Es beginnt bei der Ausschilderung der Anlage, geht über die Höhe der Umzäunung bis hin zu Kassen und Kontrolleinrichtungen sowie zum Anforderungskatalog für das Ordnungspersonal und endet noch längst nicht bei Angaben zum Zuschauerbereich. Aber die haben es in sich: Vier getrennte Sektoren, jeweils mit eigenen Zugängen, Kiosken und Toiletten.

VIP-Plätze dürfen nicht fehlen
Das Stadion selbst soll 3000 Besucher fassen. Flutlicht wird zwar nicht vorgeschrieben, dafür aber eine Rasenspielfläche oder Kunstrasen modernster Machart. VIP-Plätze und zehn Pressearbeitsplätze dürfen nicht fehlen, und auch um das leibliche Wohl der Besucher machen sich die Funktionäre Gedanken. Alkohol kann nur ausnahmsweise und auf Verantwortung des gastgebenden Vereins ausgeschenkt werden, aber der Alkoholgehalt des Bieres darf keinesfalls über fünf Prozent liegen.
Bezogen auf den heimischen Bewerber SF Oestrich-Iserlohn hieße das: Abschied vom Schleddestadion und Umzug zum Hemberg-Nordhang. Dort gibt es zwar eine weitaus bessere Infrastruktur aber einen nur sporadisch fußballtauglichen Rasenplatz.
Harald Hövel, der sportliche Leiter der Sportfreunde, sieht mit Interesse der Informationsveranstaltung des WFLV in Duisburg am 20. Februar entgegen. „Da wird es von Vereinsseite sicher Kommentare zu diesen Vorgaben geben. Das kann kein Standard für eine fünfte Liga sein."
Sein Verein strebt diese weiter an („sonst brauchten wir doch gar nicht weiterzuspielen"), aber Hövel sieht die Problematik. Ohne Hilfestellung der Stadt könnten die Sportfreunde das Paket nicht stemmen. Die finanzielle Seite betrachtet er mit Gelassenheit. „Wir stehen jetzt nicht schlechter da als vor einem Jahr, nachdem sich doch manches erledigt hat." Die Verbindlichkeiten (bei der letzten Mitgliederversammlung wurden 190 000 Euro genannt) sind langfristiger Natur und wären nach Hövels Einschätzung kein Hindernis, um die Zulassung zu bekommen. Finanzbedarf kann nur durch Sponsoren gedeckt werden
Der erheblich höhere Finanzbedarf für die NRW-Liga ließe sich aber nur durch vermehrtes Engagement von Sponsoren decken. „Ansonsten wäre es schwer, eine wettbewerbsfähige Mannschaft zu stellen." Die aktuelle steigt am Sonntag in den Werbewerb ein, und eigentlich dachte man, ihr Part sei der schwierigste. Doch das Erfüllen der NRW-Liga-Richtlinien wird für den Vorstand eine noch größere Herausforderung.

"Das ist eine Frechheit!"
Von ANDREAS NOHLEN
FUSSBALL. Die neuen Verbands-Auflagen für die Stadien in der NRW-Liga sind für den SV Schermbeck kaum zu erfüllen.
SCHERMBECK. Jubelnde Massen in vier getrennten Fan-Blöcken mit eigenen Toiletten und Imbissständen, die VIPs genießen ihre Parkplätze und einen Aufenthaltsraum, die Fußballer freuen sich über mindestens 40 Quadratmeter große Kabinen und die schreibende Zunft staunt über zehn Arbeitsplätze mit eigenen Telefonanschlüssen: Die kommende NRW-Liga wird also für alle Beteiligten ein Traum. Oder ein Albtraum, denn die erwähnten Umstände entsprechen nicht gerade der Realität in der im Sommer ersetzten Oberliga, werden aber gefordert. In einem 72-seitigem Katalog namens "NRW-Liga-Statut" informierte der Westdeutsche Fußball-Verband die Anwärter auf die Mitgliedschaft der neuen, fünftklassigen Liga über die Voraussetzungen dazu. Besonders blass dürften einige Vereinsvertreter beim Unterkapitel "technisch-organisatorisch und sicherheitstechnische Leistungsfähigkeit" geworden sein.
"Das ist eine Frechheit", ist Johannes Brilo sauer. Die Post vom WFV sorgt beim Vorsitzenden des Oberligisten SV Schermbeck in vielerlei Hinsicht für Unmut. "So etwas erreicht uns Anfang Februar, und am 15. März müssen die Unterlagen abgegeben werden. Vorher hat niemand vom Verband mit uns gesprochen", so Brilo, der die erwähnten Auflagen nicht nachvollziehen kann: "Ein Zaun um das Spielfeld wäre ja noch machbar, aber wozu wir für ein Spiel in der Saison mit mehr als tausend Zuschauern vier Fan-Blöcke mit eigenen Toiletten brauchen, sehe ich nicht ein. Und viele andere Vereine mit einem ähnlichen Zuschauerschnitt werden das auch nicht tun."

Fünf Prozent der Heimspiel-Einnahmen
Hinzu kommen die neuen Abgabe-Verordnungen an den Verband. Wurden die Gebühren für die Oberliga gerade erst auf 2600 Euro verdoppelt, so werden nun bei einem Heimspiel fünf Prozent der Zuschauereinnahmen - mindestens aber 250 Euro - fällig. "Auch das ist eine Sauerei! Bei einem Spiel mit 250 Zuschauern kann ich nach Abzug der Kosten für die Schiedsrichter gleich die kompletten Einnahmen an den Verband überweisen", schimpft Brilo. "Und wofür? Ich sehe überhaupt keine Dienstleistungen seitens des Verbandes dafür. Der Amateurbereich darf nur zahlen!"
Für die "wirtschaftliche Leistungsfähigkeit", die am 15. April nachgewiesen sein muss, sieht Brilo trotzdem weniger Probleme. "Das werden wir schaffen", so der Vorsitzende, der sich allerdings zurecht wundert, warum es in der NRW-Liga keine Fernsehgelder mehr gibt, die Anlage aber einen Standplatz für eine Hauptkamera haben soll und sämtliche Vermarktungsrechte für Fernsehbilder vertraglich beim Verband liegen.
"Und dann überlegt man, sonntags um 15 Uhr auch noch ein Bundesligaspiel anzupfeifen, damit zu uns gar keiner mehr kommt!" Auch Trainer Martin Stroetzel, der den SV Schermbeck von der Bezirks- bis in die Oberliga geführt hat, ist verärgert: "Mit diesen ganzen Veränderungen zieht man die Schlinge um den Amateurfußball immer weiter zu. Ehrenamtliche Helfer zu finden wird sowieso immer schwieriger und irgendwann stehen die Kinder auf der Straße, weil Fußball im Verein nicht mehr angeboten wird."
Er hofft, dass die Klubs auf der Informationsveranstaltung des Verbandes am Mittwoch, 20. Februar, in Duisburg massiven Widerstand leisten werden. "Der Verband sollte nicht so agieren, als hätte er sämtliche Karten in der Hand. Irgendwann reicht es!"
Auf der anderen Seite sieht Stroetzel bezüglich der geforderten infrastrukturellen Voraussetzungen auch eine Chance für den SVS - und zwar in erster Linie auf eine neue Anlage: "Das nächste halbe Jahr wird ganz wichtig für den Verein und deshalb muss jetzt Butter bei die Fische", so der Coach. "Natürlich könnte man mit einer Tribüne auch aus der alten Anlage etwas machen - obwohl die Kapazität für so viele Jugendmannschaften zu gering bleiben würde. Fakt ist aber, dass jetzt etwas in der Politik passieren muss. Und wir werden versuchen, weiter auf NRW-Liga-Kurs zu bleiben, damit man sich im Rathaus nicht wieder zurücklehnen und 'abwarten, ob die das überhaupt schaffen' sagen kann."
Fakt ist allerdings auch, dass eine neue Anlage bis zum Sommer nicht zu realisieren sein wird. Im Schermbecker Rat wird derzeit der Gemeindeentwicklungsplan überarbeitet. Indirekt wird damit dort auch geplant, welche Perspektiven der SV Schermbeck in Zukunft dem Nachwuchs sowohl in der Breite, als auch im Spitzensport bieten kann.

DAS AUESTADION
Im Weseler Auestadion, wo der SV Schermbeck wegen der größeren Zuschauerkapazität bereits sein Heimspiel am 29. Februar gegen Spitzenreiter und Zuschauermagnet Preußen Münster austrägt, würden die NRW-Liga-Auflagen mit weniger Aufwand zu erfüllen sein. Noch ist nicht klar, ob diese geforderten Auflagen endgültig sind und ob möglicherweise eine Übergangszeit eingeräumt wird. Seine Heimspiele vorerst woanders, beispielsweise im Auestadion auszutragen, sind für Johannes Brilo "Gedankenspiele, aber sicherlich keine Lösung."

 

NRW-Liga wird zum Kraftakt
Von Willy Schweer
Iserlohn. Die NRW-Liga ist das große Ziel vieler Oberligisten. Die Mannschaften legen sich ins Zeug, um zumindest Platz elf zu erreichen, aber nicht minder gefordert sind die Vorstände, um die Rahmenbedingungen zu erfüllen.
Denn wer in der neuen fünfthöchsten Spielklasse mitmischen will, muss einige Hürden nehmen. Kurios mutet zunächst der Hinweis auf das Ende der Bewerbungsfrist an: 15. März um 15.30 Uhr (!). So steht es auf Seite drei des 20-seitigen NRW-Liga-Status, nach dessen Studium manchen Vorstand das Gefühl beschleichen dürfte, dass Funktionäre mit Energie und Akribie konsequent an der Praxis vorbeigeplant haben.
Dass jeder Verein mindestens 250 Euro aus seinen Zuschauereinnahmen an den westdeutschen Fußball-Verband abzutreten hat, ist schon ein ziemlicher Brocken. Generell veranschlagt der WFLV seinen Anteil mit fünf Prozent, bei Relegationsspielen sind es sogar zehn Prozent.
Dass den Vereinen detaillierte Angaben zur Gewinn-/Verlustrechnung, über Verbindlichkeiten, Sponsorenverträge und Spielergehälter abverlangt werden, kennen sie aus Zulassungsverfahren für die Oberliga. Die Vorschriften zur Heimspielstätte sprengen jedoch den bisherigen Rahmen. Es beginnt bei der Ausschilderung der Anlage, geht über die Höhe der Umzäunung bis hin zu Kassen und Kontrolleinrichtungen sowie zum Anforderungskatalog für das Ordnungspersonal und endet noch längst nicht bei Angaben zum Zuschauerbereich. Aber die haben es in sich: Vier getrennte Sektoren, jeweils mit eigenen Zugängen, Kiosken und Toiletten. Das Stadion selbst soll 3000 Besucher fassen. Flutlicht wird zwar nicht vorgeschrieben, dafür aber eine Rasenspielfläche oder Kunstrasen modernster Machart. VIP-Plätze und zehn Pressearbeitsplätze dürfen nicht fehlen, und auch um das leibliche Wohl der Besucher machen sich die Funktionäre Gedanken. Alkohol kann nur ausnahmsweise und auf Verantwortung des gastgebenden Vereins ausgeschenkt werden, aber der Alkoholgehalt des Bieres darf keinesfalls über fünf Prozent liegen.
Bezogen auf den heimischen Bewerber SF Oestrich-Iserlohn hieße das: Abschied vom Schleddestadion und Umzug zum Hemberg-Nordhang. Dort gibt es zwar eine weitaus bessere Infrastruktur aber einen nur sporadisch fußballtauglichen Rasenplatz.
Harald Hövel, der sportliche Leiter der Sportfreunde, sieht mit Interesse der Informationsveranstaltung des WFLV in Duisburg am 20. Februar entgegen. „Da wird es von Vereinsseite sicher Kommentare zu diesen Vorgaben geben. Das kann kein Standard für eine fünfte Liga sein."
Sein Verein strebt diese weiter an („sonst brauchten wir doch gar nicht weiterzuspielen"), aber Hövel sieht die Problematik. Ohne Hilfestellung der Stadt könnten die Sportfreunde das Paket nicht stemmen. Die finanzielle Seite betrachtet er mit Gelassenheit. „Wir stehen jetzt nicht schlechter da als vor einem Jahr, nachdem sich doch manches erledigt hat." Die Verbindlichkeiten (bei der letzten Mitgliederversammlung wurden 190 000 Euro genannt) sind langfristiger Natur und wären nach Hövels Einschätzung kein Hindernis, um die Zulassung zu bekommen. Der erheblich höhere Finanzbedarf für die NRW-Liga ließe sich aber nur durch vermehrtes Engagement von Sponsoren decken. „Ansonsten wäre es schwer, eine wettbewerbsfähige Mannschaft zu stellen." Die aktuelle steigt am Sonntag in den Werbewerb ein, und eigentlich dachte man, ihr Part sei der schwierigste. Doch das Erfüllen der NRW-Liga-Richtlinien wird für den Vorstand eine noch größere Herausforderung.


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